Henrik Gross Mecklenburger Str. 5  
65824 Schwalbach am Taunus
Tel.: (06196) 888 470

Start

Sanitär

Heizung

Regenerative Energien

Fliesen

Elektro

Holz

Sonstiges

Warmwasserheizungen auch für kleinere Yachten, Kajüt- bzw. Wochenendboote


Von langjährigen Freunden des Wassersports wurde ich angesprochen, ob es auch möglich wäre, auf ihrer Wochenendyacht eine Warmwasserheizung zu installieren.

Da diese Art von Überlegung auch für mich neu war, habe ich das als große Herausforderung angesehen und diese wie folgt gelöst.

Nach informativen Gesprächen mit führenden Yachtherstellern nicht nur in Deutschland habe ich erfahren, dass Warmwasser-Heizungen auf kleinen und mittleren Booten unter 30 Fuß Länge eine Seltenheit sind. Und das, obwohl sie gegenüber herkömmlichen Warmluft-Heizungen deutliche Vorteile bieten: Sie liefern nicht nur warme Luft, sondern auch warmes Wasser, beispielsweise für die Dusche. Auch kann man Warmwasser-Heizungen mit dem Motor-Kühlkreislauf verbinden und so die Motorwärme zum Heizen nutzen. Ein weiterer Vorteil ist die angenehmere, weil gleichmäßige Wärme, die durch entsprechende Heizkörper im Boot verbreitet und gehalten wird.

Nicht zuletzt sind Warmwasser-Heizungen aufgrund des fehlenden Gebläses deutlich leiser, so dass man sie auch nachts problemlos betreiben kann, ohne der gesamten Crew die Nachtruhe zu nehmen.

Doch wie muss eine sinnvolle Warmwasser-Heizungsanlage für ein Mittelklasse-Boot aussehen; welche Geräte und Materialien werden benötigt?

Am Beispiel des 34-Fuß-Kajütbootes eines Freundes möchte ich hier nachstehend dem interessierten Leser die grundsätzliche Aufteilung sowie den schematischen Aufbau aufzeigen.

Wärmequelle

Beginnen wir mit der Wahl einer geeigneten Wärmequelle. Hier spielt der Bootsmotor eine wichtige Rolle. Hat man einen Dieselmotor, empfiehlt sich der Einbau einer Diesel-Heizung, weil sie mit dem normalen Bootskraftstoff arbeitet; das spart Platz für einen zusätzlichen Tank. Ist das Boot, wie in unserem Fall, mit einem Benzin-Motor ausgerüstet, wäre eine Benzinheizung die einfachste Wahl. Aus Sicherheitsgründen habe ich mich trotzdem dagegen entschieden, weil die möglichen Montageorte keine ausreichende Be- und Entlüftung auswiesen, die für eine Benzinheizung unbedingt erforderlich sind. Blieb für meinen Fall die dritte Alternative, eine Dieselheizung mit Zusatztank.

Um bei der Heizungs-Dimensionierung auf der sicheren Seite zu sein und auch das offene Cockpit zuverlässig heizen zu können, wählte ich eine 5KW-Heizung von Eberspächer (D5W S). Daumenformel: 200W Heizleistung pro Kubikmeter Rauminhalt.

Ein üblicher Montageort für die Heizung ist der Motorraum. Auf unserem Boot wichen wir jedoch aus Platzgründen auf die Fläche vor den Mittelkabinen-Schott aus. Durch diese zentrale Lage im Boot bleiben die Warmwasserleitungen nach allen Seiten relativ kurz, so dass wenig Wärme verloren geht. Hinzu kommt, dass die Abgasleitung bis zu 300 Grad Celsius heiß wird und im schlimmsten Fall eventuell im Motorraum vorhandene Benzingase entzünden kann. Dies ist auch der Grund, warum man die Bohrung für den Außenwanddurchlass der Abgasleitung großzügig dimensionieren muss (1cm größer als für das Abgasrohr erforderlich), damit der Kunststoff sich nicht durch die Hitze verfärbt.

Um die Geräuschentwicklung möglichst gering zu halten, sind zusätzlich Schalldämpfer im Ansaug- und Abgaskanal) empfehlenswert. Erfahrungsgemäß reichen die notmalen Standard-Schalldämpfer nicht aus.

Heizkörper

Aus der Haustechnik kennt man überwiegend Stahlheizkörper, früher sogar aus schwerem Guss. Diese kommen aus zweierlei Gründen für ein Boot nicht in Frage. Erstens sind sie zu schwer und zweitens können sie im rauhen Bordklima rosten. Bleiben also Aluminium-Heizkörper. Sie sind leicht und korrosionsgeschützt, so dass sie auch nach Jahren im Bootsbetrieb noch einwandfrei funktionieren.

Die Größe der Heizkörper richtet sich nach dem vorhandenen Montageplatz. Die sonst üblichen Wärme-Bedarfsberechnungen kann man auf Yachten bzw. kleineren Booten, wie dem uns in Auftrag gegebenen, getrost vernachlässigen, weil die Räume ohnehin klein sind. Da zwei Räume beheizt werden sollen, montierten wir einen Heizkörper in BL x BH x BT: 76 cm x 39 cm x 6 cm am Bugschott der Vorderkajüte und einen zweiten in BL x BH x BT: 57 cm x 39 cm x 6 cm am Zentralschott der Mittelkabine.

Einziges Problem bei Warmwassser-Heizungen ist die Aufheizung des Cockpits. Hier stoßen normale Heizkörper an ihre Grenzen, weil das Cabrio-Verdeck die Wärme nur schlecht im Boot hält. Aus diesem Grund installierten wir drei zusätzliche Gebläse mit Wärmetauscher. Eines am Fahrstand, ein Zweites in Nähe der hinteren Sitzgruppe und das Dritte zur schnelleren Aufheizung im Fußraum der Vorderkajüte. Diese Geräte funktionieren wie das Warmluftgebläse im Auto, wandeln also warmes Wasser in warme Luft um.

Leitungen

Grundsätzlich eigenen sich zwei Arten von Warmwasserleitungen. Erstens herkömmliche Kupferleitungen und zweitens neuere Kunststoffleitungen. Kunststoffleitungen sind aufgrund eines speziellen Stecksystems einfach zu verlegen und leicht. Hinzu kommt, dass man weder löten noch pressen muss, um dichte Verbindungen zu bekommen. Ich entschied mich dennoch für die klassische Leitungsvariante in Kupfer, weil man Kupferleitungen und ihre Verbindungen problemlos bei jedem Installateur sowie Heizungsbauer bekommt, und die Leitungen im Schadensfall relativ einfach zu reparieren sind. Der Hauptleitungsstrang verläuft längs durch das Boot. In der Mitte befindet sich die Zuleitung von der Heizungsanlage. Im hinteren Bereich gehen zwei Abzweigungen zu den Warmluftgebläsen und eine zum Warmwasserspeicher.

Im vorderen Bereich sind die weiteren Abzweigungen zu den Warmluftgebläsen und zu den beiden Heizkörpern und dem Gebläse in der Vorderkajüte angeschlossen. Alle Heizkörper und Wärmetauscher bekamen Absperrventile in den Vor- wie auch in den Rücklauf eingebaut, damit man bei eventuellen Reparaturen nicht den gesamten Heizkreislauf entwässern muss. Wie eben in der Haus- bzw. Gebäudetechnik auch.

Warmwasser-Speicher

Um die Heizung auch zur Warmwasserbereitung zu nutzen, schlossen wir den ohnehin vorhandenen 85-Liter-Warmwasser-Speicher, der bisher nur von einer 230 Volt Heizpatrone versorgt wurde, ebenfalls an den Heizungskreislauf an. Hier erhitzt das Heizungswasser jetzt durch eine Spirale das Brauchwasser. Dies ist insbesondere an Stegen ohne Stromanschluss oder beim Ankern in abgelegenen Buchten von großem Vorteil. Weiterhin sind im Motorraum das Druckausdehnungsgefäß und die sogenannte Sicherheitsgruppe untergebracht. Das Druckausgleichsgefäß sorgt für gleichmäßigen Druck im Heizungssystem. Die Sicherheitsgruppe besteht aus einem Manometer, einem Selbstentlüfter und einem Überdruckventil, das im Fehlerfall zu hohe Drücke verhindern soll.

Dieseltank

Der letzte Punkt ist der zusätzlich erforderliche Dieseltank. Solche Tanks bekommt man in verschiedenen Größen im Bootszubehörhandel. Wir entschieden uns für einen 40-Liter-Tank, der etwa für 100 Stunden Heizbetrieb ausreicht. Als Montageort wählten wir den Motorraum, in dem der Tank mit Spanngurten gehaltert wurde.

Um diese Anlage zu komplettieren, haben wir den Motor-Kreislauf (Zweikreiskühlung) über einen zusätzlichen Wärmetauscher mit dem Heizungkreislauf verbunden. So kann der Eigner die Motorwärme auch zum Heizen nutzen. Umgekehrt wird der Motor durch die Heizung vorgewärmt, was seiner Lebensdauer zugute kommt.

Falls auch Sie ein Freund des Wassersports sind und weitere Informationen rund um dieses Thema benötigen, sollten sie sich gerne jederzeit bei mir melden, damit ich Ihnen mit Rat und Tat helfen kann.


Es grüsst Sie von der angenehm warmen Wochenendyacht auf dem Rhein


Ihr Henrik Gross